Interview zum Weltfinanzsystem
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==Frage 2 (Grund der Aufgabe der Goldwährung)== | ==Frage 2 (Grund der Aufgabe der Goldwährung)== | ||
| - | <b>P. Benno</b>Was war der Grund, dass man die Golddeckung der Leit-Währung aufhob? | + | <b>P. Benno:</b> Was war der Grund, dass man die Golddeckung der Leit-Währung aufhob? |
| - | <b>Wohlmeyer</b>Wie schon vorstehend erwähnt, war die Geldmengenausweitung in den USA der Grund. Präsident Nixon stand vor der Zahlungsunfähigkeit in Gold. Er erfand jedoch 1971 eine Strategie, um die überbordenden Dollarmengen zu binden und den Wert des Dollars zu bewahren – das Petrodollarsystem. Ein noch immer existierendes Verteidigungsabkommen mit dem weltgrößten Erdölproduzenten, Saudi-Arabien, gepaart mit der Zusage, Öl nur gegen Dollar zu verkaufen und dies auch in der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) durchzusetzen, garantierte die Nachfrage nach Dollars. Der übrige Welthandel folgte. Derzeit sind rund 80 Prozent des Dollarvolumens im Ausland im Umlauf. Die Dollarüberschüsse der Erdölexportierenden Länder wurden über das sogenannte „Petrodollarrecycling“ vor allem über die Londoner Finanzwelt gebunden. Man drängte insbesondere den Entwicklungsländern geradezu Kredite auf. Ergänzend kommt noch die Vergabe von US-Staatsanleihen (Government Bonds) zu attraktiven Zinsen hinzu. | + | <b>Wohlmeyer:</b> Wie schon vorstehend erwähnt, war die Geldmengenausweitung in den USA der Grund. Präsident Nixon stand vor der Zahlungsunfähigkeit in Gold. Er erfand jedoch 1971 eine Strategie, um die überbordenden Dollarmengen zu binden und den Wert des Dollars zu bewahren – das Petrodollarsystem. Ein noch immer existierendes Verteidigungsabkommen mit dem weltgrößten Erdölproduzenten, Saudi-Arabien, gepaart mit der Zusage, Öl nur gegen Dollar zu verkaufen und dies auch in der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) durchzusetzen, garantierte die Nachfrage nach Dollars. Der übrige Welthandel folgte. Derzeit sind rund 80 Prozent des Dollarvolumens im Ausland im Umlauf. Die Dollarüberschüsse der Erdölexportierenden Länder wurden über das sogenannte „Petrodollarrecycling“ vor allem über die Londoner Finanzwelt gebunden. Man drängte insbesondere den Entwicklungsländern geradezu Kredite auf. Ergänzend kommt noch die Vergabe von US-Staatsanleihen (Government Bonds) zu attraktiven Zinsen hinzu. |
Mit diesem Bündel von Maßnahmen konnte die Geldmengenausweitung von derzeit mehr als fünf Milliarden Dollar pro Tag ohne Vertrauensverlust in den Dollar kanalisiert werden. | Mit diesem Bündel von Maßnahmen konnte die Geldmengenausweitung von derzeit mehr als fünf Milliarden Dollar pro Tag ohne Vertrauensverlust in den Dollar kanalisiert werden. | ||
==Frage 3 (Ergeben sich daraus wirtschaftliche Gefahren?)== | ==Frage 3 (Ergeben sich daraus wirtschaftliche Gefahren?)== | ||
| - | <b>P. Benno:</b>Hat dieser Schritt nicht auch weit reichende wirtschaftliche Folgen, ja ist er damit nicht auch verantwortlich für die wirtschaftlichen Gefahren, die wir alle befürchten? | + | <b>P. Benno:</b> Hat dieser Schritt nicht auch weit reichende wirtschaftliche Folgen, ja ist er damit nicht auch verantwortlich für die wirtschaftlichen Gefahren, die wir alle befürchten? |
| - | <b>Wohlmeyer:</b>Die praktisch ungebremste Geldmengenvermehrung birgt die Gefahr des weltweiten Zusammenbruchs der gegenwärtigen Finanzordnung in sich. Die immer weiter aufgeblasene Finanzblase hält nur so lange, als niemand hineinsticht. Letzteres könnte zum Beispiel durch China erfolgen, das derzeit mit Dollars weltweit Realwerte (Erdöl- und Metallvorkommen, Industrien und Ländereien) einkauft, um die Folgen einer Dollarentwertung zu mindern. Die Chinesischen Dollar-Guthaben betragen derzeit bereits über eine Billion. | + | <b>Wohlmeyer:</b> Die praktisch ungebremste Geldmengenvermehrung birgt die Gefahr des weltweiten Zusammenbruchs der gegenwärtigen Finanzordnung in sich. Die immer weiter aufgeblasene Finanzblase hält nur so lange, als niemand hineinsticht. Letzteres könnte zum Beispiel durch China erfolgen, das derzeit mit Dollars weltweit Realwerte (Erdöl- und Metallvorkommen, Industrien und Ländereien) einkauft, um die Folgen einer Dollarentwertung zu mindern. Die Chinesischen Dollar-Guthaben betragen derzeit bereits über eine Billion. |
Aus Angst vor einer Hyperinflation findet derzeit weltweit eine Flucht ins Gold und in andere Realwerte statt. Dies führt zu die Wirtschaftsentwicklung behindernden Preisniveaus. | Aus Angst vor einer Hyperinflation findet derzeit weltweit eine Flucht ins Gold und in andere Realwerte statt. Dies führt zu die Wirtschaftsentwicklung behindernden Preisniveaus. | ||
Der Präsident der Weltbank Robert Zoellik hat in dieser Situation jüngst in der „Financial Times“ gemeint, dass dem gegenwärtigen Währungschaos ein Ende gesetzt werden könnte, wenn man „Gold als einen internationalen Referenzpunkt benützen würde, an dem sich die Markterwartungen bezüglich Inflation, Deflation und des zukünftigen Wertes der Währungen messen lassen.“ Dies wäre ein neuer indirekter Goldstandard. Er setzt aber ein Weltwährungsabkommen voraus, das derzeit nicht in Sicht ist, und in dessen Rahmen insbesondere die Sanierung des in den Händen eines nicht gemeinwohlorientierten und änderungsresistenten Money Trusts befindlichen US-Dollars. | Der Präsident der Weltbank Robert Zoellik hat in dieser Situation jüngst in der „Financial Times“ gemeint, dass dem gegenwärtigen Währungschaos ein Ende gesetzt werden könnte, wenn man „Gold als einen internationalen Referenzpunkt benützen würde, an dem sich die Markterwartungen bezüglich Inflation, Deflation und des zukünftigen Wertes der Währungen messen lassen.“ Dies wäre ein neuer indirekter Goldstandard. Er setzt aber ein Weltwährungsabkommen voraus, das derzeit nicht in Sicht ist, und in dessen Rahmen insbesondere die Sanierung des in den Händen eines nicht gemeinwohlorientierten und änderungsresistenten Money Trusts befindlichen US-Dollars. | ||
==Frage 4 (ungedecktes Geld drucken)== | ==Frage 4 (ungedecktes Geld drucken)== | ||
| - | <b>P. Benno:</b>Man sagt, dass manche Staaten Geld drucken; kann man auch sagen, dass der EURO gedruckt wird, einfach ohne entsprechende Deckung? | + | <b>P. Benno:</b> Man sagt, dass manche Staaten Geld drucken; kann man auch sagen, dass der EURO gedruckt wird, einfach ohne entsprechende Deckung? |
| - | <b>Wohlmeyer:</b>Dass die Finanzmächtigen der USA unverantwortlich „Geld drucken“ und gleichzeitig die anderen zum „Totsparen“ anhalten, habe ich bereits aufgezeigt. Ein einzelnes Euroland kann kein Geld drucken. Wenn allerdings die Europäische Zentralbank (EZB) marode Staatsanleihen aufkauft und den Banken Geld um einen Leitzinssatz von einem Prozent gibt, sowie diverse „Rettungsschirme“, wie die EFSF (European Financial Stability Facility), aufspannt, dann wird die Geldmenge ohne Deckung ausgeweitet („fiat money“ ). Staaten die, wie Italien, mit 120 Prozent (!) ihrer Wirtschaftsleistung (BIP) verschuldet sind — mit steigender Tendenz — werden mit fiat money kurzfristig über Wasser gehalten. | + | <b>Wohlmeyer:</b> Dass die Finanzmächtigen der USA unverantwortlich „Geld drucken“ und gleichzeitig die anderen zum „Totsparen“ anhalten, habe ich bereits aufgezeigt. Ein einzelnes Euroland kann kein Geld drucken. Wenn allerdings die Europäische Zentralbank (EZB) marode Staatsanleihen aufkauft und den Banken Geld um einen Leitzinssatz von einem Prozent gibt, sowie diverse „Rettungsschirme“, wie die EFSF (European Financial Stability Facility), aufspannt, dann wird die Geldmenge ohne Deckung ausgeweitet („fiat money“ ). Staaten die, wie Italien, mit 120 Prozent (!) ihrer Wirtschaftsleistung (BIP) verschuldet sind — mit steigender Tendenz — werden mit fiat money kurzfristig über Wasser gehalten. |
Die „Deckung“ muss im Vertrauen auf die Wertbeständigkeit der Währung bestehen, dieses kann nur durch eine ausgewogene Wirtschaftspolitik, zu der auch eine finanzierbare Budgetpolitik gehört, erworben werden. Der ehemalige Ministerpräsident Tschechiens, Vaclav Klaus, hat seinerzeit im persönlichen Gespräch gemeint: „Sie dürfen eben nicht mehr ausgeben, als Sie einnehmen, und Sie dürfen sich nicht mit Leuten ins Bett legen, die dies nicht tun. Daher müssen wir außerhalb des Euro bleiben.“ Nun gehört dieses Land zu den am wenigsten verschuldeten Staaten (rund 35 Prozent des BIP). | Die „Deckung“ muss im Vertrauen auf die Wertbeständigkeit der Währung bestehen, dieses kann nur durch eine ausgewogene Wirtschaftspolitik, zu der auch eine finanzierbare Budgetpolitik gehört, erworben werden. Der ehemalige Ministerpräsident Tschechiens, Vaclav Klaus, hat seinerzeit im persönlichen Gespräch gemeint: „Sie dürfen eben nicht mehr ausgeben, als Sie einnehmen, und Sie dürfen sich nicht mit Leuten ins Bett legen, die dies nicht tun. Daher müssen wir außerhalb des Euro bleiben.“ Nun gehört dieses Land zu den am wenigsten verschuldeten Staaten (rund 35 Prozent des BIP). | ||
==Frage 5 (Folgen der unkontrollierten Geldproduktion)== | ==Frage 5 (Folgen der unkontrollierten Geldproduktion)== | ||
| - | <b>P. Benno:</b>Was könnte die Folge dieser unkontrollierten „Geldproduktion“ sein? | + | <b>P. Benno:</b> Was könnte die Folge dieser unkontrollierten „Geldproduktion“ sein? |
| - | <b>Wohlmeyer:</b>Jeder Geldmenge steht eine Schuld gegenüber. (Wir haben ein System des Kreditgeldes.) Wenn nun die Verschuldung der Staaten und der nichtstaatlichen Bereiche ein Ausmaß erreicht, dass der Schuldendienst die Staatseinnahmen und die privaten Einkommen weitestgehend auffrisst und die großen Kapitaleigner, die fiat-money-Ausgeber, nicht einem drastischen Schuldenverzicht zustimmen — einer „Welteröffnungsbilanz“ (siehe Betendes Gottesvolk 2010/3, Nr. 243, S. 7) —, dann ergeben sich folgende leider wahrscheinliche Szenarien: Die Inszenierung einer Hyperinflation, durch die die Staaten entschuldet und die Bürger kalt enteignet werden. Die weltweite Verarmung zu Gunsten weniger Reicher mit dem Risiko revolutionärer Umschwünge (Bürgerkriege) als Gegenbewegung. Der Versuch der kriegerischen Schuldeneintreibung durch die Schutzmächte des Großkapitales. | + | <b>Wohlmeyer:</b> Jeder Geldmenge steht eine Schuld gegenüber. (Wir haben ein System des Kreditgeldes.) Wenn nun die Verschuldung der Staaten und der nichtstaatlichen Bereiche ein Ausmaß erreicht, dass der Schuldendienst die Staatseinnahmen und die privaten Einkommen weitestgehend auffrisst und die großen Kapitaleigner, die fiat-money-Ausgeber, nicht einem drastischen Schuldenverzicht zustimmen — einer „Welteröffnungsbilanz“ (siehe Betendes Gottesvolk 2010/3, Nr. 243, S. 7) —, dann ergeben sich folgende leider wahrscheinliche Szenarien: Die Inszenierung einer Hyperinflation, durch die die Staaten entschuldet und die Bürger kalt enteignet werden. Die weltweite Verarmung zu Gunsten weniger Reicher mit dem Risiko revolutionärer Umschwünge (Bürgerkriege) als Gegenbewegung. Der Versuch der kriegerischen Schuldeneintreibung durch die Schutzmächte des Großkapitales. |
Die Geschichte des tragischen 20. Jahrhunderts, die wir hinter uns zu haben glauben, könnte sich wiederholen. | Die Geschichte des tragischen 20. Jahrhunderts, die wir hinter uns zu haben glauben, könnte sich wiederholen. | ||
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Das Aufbrechen der „sündhaften Strukturen“ (Papst Johannes Paul II.) ist daher eine menschheitsstrategische Aufgabe. | Das Aufbrechen der „sündhaften Strukturen“ (Papst Johannes Paul II.) ist daher eine menschheitsstrategische Aufgabe. | ||
| - | <b>P. Benno:</b>Herr Professor Wohlmeyer, danke für das Gespräch. | + | <b>P. Benno: </b>Herr Professor Wohlmeyer, danke für das Gespräch. |
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