Agrarpolitik - kritsch gesehen
Aus NachhaltigkeitsWiki
Weiss (Diskussion | Beiträge) |
Weiss (Diskussion | Beiträge) (→a) Den Aufstand gegen den Hauptstrom wagen) |
||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
H.F.J. Wohlmeyer | H.F.J. Wohlmeyer | ||
| - | Wider die Zukunftskriminellen! | + | Wider die Zukunftskriminellen!<br> |
Die gegenwärtige (aufgezwungene) Agrarpolitik | Die gegenwärtige (aufgezwungene) Agrarpolitik | ||
im Lichte des Rückblickes aus der Zukunft | im Lichte des Rückblickes aus der Zukunft | ||
| Zeile 32: | Zeile 32: | ||
Kohr reagierte wie folgt: <br> | Kohr reagierte wie folgt: <br> | ||
| - | Er richtete seine halb blinden Augen auf die Gruppe und fragte sie, ob sie die Geschichte von Noah und der Arche kenne. Nach einer Weile einigte man sich darauf, diese „Geschichte“ als Arbeitshypothese gelten zu lassen | + | Er richtete seine halb blinden Augen auf die Gruppe und fragte sie, ob sie die Geschichte von Noah und der Arche kenne. Nach einer Weile einigte man sich darauf, diese „Geschichte“ als Arbeitshypothese gelten zu lassen. |
| - | Dieses Ereignis führte den Autor zur Strategie der <Inseln (Archen) der Nachhaltigkeit> - eine Metapher, die nun zum Gemeingut in der Nachhaltigkeitsliteratur gehört. | + | Kohr war damit zufrieden und gab zu bedenken: „Junge Freunde! Wenn die Geschichte über Noah und die Arche stimmt, dann reden wir von einem Menschen, der auf seine innere Stimme hörte, statt sich nach dem Hauptstrom zu richten. Er tat völlig „unökonomische“ Dinge und beutete für seine Hirngespinste seine Großfamilie aus... und er wurde verlacht. Aber wenn diese Geschichte stimmt, dann stammen wir alle von diesem ‚Spinner’ ab!“ |
| + | |||
| + | Betroffenes Schweigen folgte, und Kohr fuhr mit seinem Plädoyer für überschaubare, der Natur und der phylogenetischen (stammesgeschichtlichen) Ausstattung des Menschen angepasste, nachhaltige Gesellschaften ermöglichende Strukturen fort. | ||
| + | |||
| + | Dieses Ereignis führte den Autor zur Strategie der '''<Inseln (Archen) der Nachhaltigkeit>''' - eine Metapher, die nun zum Gemeingut in der Nachhaltigkeitsliteratur gehört. | ||
==Die Herangehensweise== | ==Die Herangehensweise== | ||
| Zeile 40: | Zeile 44: | ||
Die moderne Systemtheorie unterscheidet statische Systeme mit linearen Kausalzusammenhängen, komplexe Systeme, homöostatische Systeme mit einer Vielfalt von Wechselbeziehungen, in denen Wirkungen binnen kurzer Zeit zu Ursachen werden, und selbstorganisierende, lebende Systeme. Die beiden letzteren sind mathematisch nur mehr so annäherbar, indem man sie in Teilsysteme zerlegt, diese als <black box> annimmt, und die Beziehungen dieser Teilsysteme zueinander im Gesamtsystem (Festlegung der Interfaces und Regeln des Gesamtsystems) zu erfassen und zu modellieren versucht. Nimmt man diese Begrenzung (Überforderung) demütig zur Kenntnis und nimmt nicht Zuflucht zur wirklichkeitsfremden, reduktionistischen ceteris-paribus-Methode, bei der man nur eine Variable sich ändern lässt und die anderen fix hält, dann verbleibt nur die Szenariotechnik als bestmöglich Annäherung an die wahrscheinliche Entwicklung. | Die moderne Systemtheorie unterscheidet statische Systeme mit linearen Kausalzusammenhängen, komplexe Systeme, homöostatische Systeme mit einer Vielfalt von Wechselbeziehungen, in denen Wirkungen binnen kurzer Zeit zu Ursachen werden, und selbstorganisierende, lebende Systeme. Die beiden letzteren sind mathematisch nur mehr so annäherbar, indem man sie in Teilsysteme zerlegt, diese als <black box> annimmt, und die Beziehungen dieser Teilsysteme zueinander im Gesamtsystem (Festlegung der Interfaces und Regeln des Gesamtsystems) zu erfassen und zu modellieren versucht. Nimmt man diese Begrenzung (Überforderung) demütig zur Kenntnis und nimmt nicht Zuflucht zur wirklichkeitsfremden, reduktionistischen ceteris-paribus-Methode, bei der man nur eine Variable sich ändern lässt und die anderen fix hält, dann verbleibt nur die Szenariotechnik als bestmöglich Annäherung an die wahrscheinliche Entwicklung. | ||
| - | == | + | ==Rückblick aus der Zukunft== |
Mein Freund, der Niederländer Leo A. Jansen, einer der Mitbegründer des Faktor 10 Clubs , hat die Technik des „Backcasting“, des Rückblickes aus der Zukunft, in die Politikplanung eingeführt. Diese Technik versucht Szenarien für erwartbare Zukünfte zu identifizieren, die sich aus den gegenwärtigen Verhaltensmustern ableiten lassen. Auf Basis dieser Projektionen werden dann notwendige Korrekturen für das gegenwärtige Verhalten abgeleitet. In anderen Worten: Unliebsame Ergebnisse in der Zukunft führen zur Korrekturaufforderungen in der Gegenwart. | Mein Freund, der Niederländer Leo A. Jansen, einer der Mitbegründer des Faktor 10 Clubs , hat die Technik des „Backcasting“, des Rückblickes aus der Zukunft, in die Politikplanung eingeführt. Diese Technik versucht Szenarien für erwartbare Zukünfte zu identifizieren, die sich aus den gegenwärtigen Verhaltensmustern ableiten lassen. Auf Basis dieser Projektionen werden dann notwendige Korrekturen für das gegenwärtige Verhalten abgeleitet. In anderen Worten: Unliebsame Ergebnisse in der Zukunft führen zur Korrekturaufforderungen in der Gegenwart. | ||
| Zeile 103: | Zeile 107: | ||
==a) Den Aufstand gegen den Hauptstrom wagen== | ==a) Den Aufstand gegen den Hauptstrom wagen== | ||
| - | + | und ein '''zukunftsfähiges Leitbild''' einfordern | |
| + | |||
Wenn man die zu erwartenden Knappheiten und die erhöhten Risiken nicht ausblendet, dann muss dem gegenwärtigen Hauptstrom ein international organisierter Widerstand entgegen gesetzt werden. Dieser muss aber von einem sozial, ökologisch und ökonomisch ausgewogenen Gesamtkonzept getragen werden. | Wenn man die zu erwartenden Knappheiten und die erhöhten Risiken nicht ausblendet, dann muss dem gegenwärtigen Hauptstrom ein international organisierter Widerstand entgegen gesetzt werden. Dieser muss aber von einem sozial, ökologisch und ökonomisch ausgewogenen Gesamtkonzept getragen werden. | ||
| - | In einem solchen „Aufstand“ wären z. B. die Bürger der USA zu überzeugen, dass es für sie besser ist, wenn in nachwachsende Rohstoffe und Primärenergieträger (NAWAROS) investiert wird, statt dass sie in den kostspieligen Ölkriegen einer ausbeutenden Minorität buchstäblich verheizt werden. Gerade jetzt - in der Zeit der bitteren Erfahrung auf den Ölschlachtfeldern - könnte auf den Bericht <Global 2000> an Präsident Carter zurückgegriffen werden, in dem die heimischen, nicht fossilen Potentiale mit dem 250-fachen (!) der verschwenderischen Energieverbauchsleistung in den USA identifiziert wurden. Das Rezept <Bomben und Bohren> funktioniert bei einer asymmetrischen militärischen Auseinandersetzung nicht mehr. Vielmehr könnten die USA bei einer Umpolung ihrer Politik zum gesuchten und geschätzten Partner und fairen Lizenzgeber der Welt werden, sowie ihre politische Glaubwürdigkeit wieder erlangen. | + | In einem solchen „Aufstand“ wären z. B. die Bürger der USA zu überzeugen, dass es für sie besser ist, wenn in nachwachsende Rohstoffe und Primärenergieträger (NAWAROS) investiert wird, statt dass sie in den kostspieligen Ölkriegen einer ausbeutenden Minorität buchstäblich verheizt werden. Gerade jetzt - in der Zeit der bitteren Erfahrung auf den Ölschlachtfeldern - könnte auf den Bericht <Global 2000> an Präsident Carter zurückgegriffen werden, in dem die heimischen, nicht fossilen Potentiale mit dem 250-fachen (!) der verschwenderischen Energieverbauchsleistung in den USA identifiziert wurden. |
| + | |||
| + | Das Rezept <Bomben und Bohren> funktioniert bei einer asymmetrischen militärischen Auseinandersetzung nicht mehr. Vielmehr könnten die USA bei einer Umpolung ihrer Politik zum gesuchten und geschätzten Partner und fairen Lizenzgeber der Welt werden, sowie ihre politische Glaubwürdigkeit wieder erlangen. | ||
Wenn aber die USA auf NAWAROS im Energie-, Chemie- und Strukturmaterialienbereich setzten, dann bräuchten Sie nicht den Kopf der Bauern in anderen Ländern - insbesondere im (noch) kaufkräftigen Europa - fordern, um ihre fossil hochgepeitschten Agrarüberschüsse absetzen zu können. Dasselbe gilt mutatis mutandis für jene Agrarexporteure, die in der Cairns-Gruppe vertreten sind. | Wenn aber die USA auf NAWAROS im Energie-, Chemie- und Strukturmaterialienbereich setzten, dann bräuchten Sie nicht den Kopf der Bauern in anderen Ländern - insbesondere im (noch) kaufkräftigen Europa - fordern, um ihre fossil hochgepeitschten Agrarüberschüsse absetzen zu können. Dasselbe gilt mutatis mutandis für jene Agrarexporteure, die in der Cairns-Gruppe vertreten sind. | ||