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Agrarpolitik - kritsch gesehen – NachhaltigkeitsWiki

Agrarpolitik - kritsch gesehen

Aus NachhaltigkeitsWiki

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(Vorbemerkung:)
(a) Den Aufstand gegen den Hauptstrom wagen)
 
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H.F.J. Wohlmeyer
H.F.J. Wohlmeyer
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Wider die Zukunftskriminellen!
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Wider die Zukunftskriminellen!<br>
Die gegenwärtige (aufgezwungene) Agrarpolitik  
Die gegenwärtige (aufgezwungene) Agrarpolitik  
im Lichte des Rückblickes aus der Zukunft
im Lichte des Rückblickes aus der Zukunft
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Gerade deshalb lade ich Sie ein, aus den geistigen Häusern auszubrechen, Ihre ‚geistigen Scheinwerfer’ aus verschiedenen Richtungen einzusetzen, und bereit zu sein, unbequeme Schlussfolgerungen zu ziehen.
Gerade deshalb lade ich Sie ein, aus den geistigen Häusern auszubrechen, Ihre ‚geistigen Scheinwerfer’ aus verschiedenen Richtungen einzusetzen, und bereit zu sein, unbequeme Schlussfolgerungen zu ziehen.
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Als Ermutigung hierzu soll jene bereits legendär gewordene Diskussion dienen, die sich beim letzten Vortrag des Philosophen des Kleinen, Leopold Kohr (1909 – 1994)  an der Technischen Universität Wien ereignete. Als er schon gebrechliche Prof. Kohr von der <Gruppe angepasste Technologie> zu einem Vortrag gebeten worden war, wurde der Autor von den kritischen Studenten gebeten, Kohr benevolent zu flankieren, um einem „Abgleiten ins Märchenhafte“ entgegen zu wirken. Mitten unter seinem Vortrag meldete sich eine Gruppe von Hörern, die ihm vorwarf, gerade das Gegenteil von dem vorzutragen, was sie in den Fachvorlesungen zu hören bekämen.  
Als Ermutigung hierzu soll jene bereits legendär gewordene Diskussion dienen, die sich beim letzten Vortrag des Philosophen des Kleinen, Leopold Kohr (1909 – 1994)  an der Technischen Universität Wien ereignete. Als er schon gebrechliche Prof. Kohr von der <Gruppe angepasste Technologie> zu einem Vortrag gebeten worden war, wurde der Autor von den kritischen Studenten gebeten, Kohr benevolent zu flankieren, um einem „Abgleiten ins Märchenhafte“ entgegen zu wirken. Mitten unter seinem Vortrag meldete sich eine Gruppe von Hörern, die ihm vorwarf, gerade das Gegenteil von dem vorzutragen, was sie in den Fachvorlesungen zu hören bekämen.  
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Kohr reagierte wie folgt: Er richtete seine halb blinden Augen auf die Gruppe und fragte sie, ob sie die Geschichte von Noah und der Arche kenne. Nach einer Weile einigte man sich darauf, diese „Geschichte“ als Arbeitshypothese gelten zu lassen. Kohr war damit zufrieden und gab zu bedenken: „Junge Freunde! Wenn die Geschichte über Noah und die Arche stimmt, dann reden wir von einem Menschen, der auf seine innere Stimme hörte, statt sich nach dem Hauptstrom zu richten. Er tat völlig „unökonomische“ Dinge und beutete für seine Hirngespinste seine Großfamilie aus... und er wurde verlacht. Aber wenn diese Geschichte stimmt, dann stammen wir alle von diesem ‚Spinner’ ab!“ Betroffenes Schweigen folgte, und Kohr fuhr mit seinem Plädoyer für überschaubare, der Natur und der phylogenetischen (stammesgeschichtlichen) Ausstattung des Menschen angepasste, nachhaltige Gesellschaften ermöglichende Strukturen fort.  
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Kohr reagierte wie folgt: <br>
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Dieses Ereignis führte den Autor zur Strategie der <Inseln (Archen) der Nachhaltigkeit> - eine Metapher, die nun zum Gemeingut in der Nachhaltigkeitsliteratur gehört.  
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Er richtete seine halb blinden Augen auf die Gruppe und fragte sie, ob sie die Geschichte von Noah und der Arche kenne. Nach einer Weile einigte man sich darauf, diese „Geschichte“ als Arbeitshypothese gelten zu lassen.  
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Kohr war damit zufrieden und gab zu bedenken: „Junge Freunde! Wenn die Geschichte über Noah und die Arche stimmt, dann reden wir von einem Menschen, der auf seine innere Stimme hörte, statt sich nach dem Hauptstrom zu richten. Er tat völlig „unökonomische“ Dinge und beutete für seine Hirngespinste seine Großfamilie aus... und er wurde verlacht. Aber wenn diese Geschichte stimmt, dann stammen wir alle von diesem ‚Spinner’ ab!“  
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Betroffenes Schweigen folgte, und Kohr fuhr mit seinem Plädoyer für überschaubare, der Natur und der phylogenetischen (stammesgeschichtlichen) Ausstattung des Menschen angepasste, nachhaltige Gesellschaften ermöglichende Strukturen fort.  
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Dieses Ereignis führte den Autor zur Strategie der '''<Inseln (Archen) der Nachhaltigkeit>''' - eine Metapher, die nun zum Gemeingut in der Nachhaltigkeitsliteratur gehört.  
==Die Herangehensweise==
==Die Herangehensweise==
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Die moderne Systemtheorie unterscheidet statische Systeme mit linearen Kausalzusammenhängen, komplexe Systeme, homöostatische Systeme mit einer Vielfalt von Wechselbeziehungen, in denen Wirkungen binnen kurzer Zeit zu Ursachen werden, und selbstorganisierende, lebende Systeme. Die beiden letzteren sind mathematisch nur mehr so annäherbar, indem man sie in Teilsysteme zerlegt, diese  als <black box> annimmt, und die Beziehungen dieser Teilsysteme zueinander im Gesamtsystem (Festlegung der Interfaces und Regeln des Gesamtsystems) zu erfassen und zu modellieren versucht.  Nimmt man diese Begrenzung (Überforderung) demütig zur Kenntnis und nimmt nicht Zuflucht zur wirklichkeitsfremden, reduktionistischen  ceteris-paribus-Methode, bei der man nur eine Variable sich ändern lässt und die anderen fix hält, dann verbleibt nur die Szenariotechnik als bestmöglich Annäherung an die wahrscheinliche Entwicklung.  
Die moderne Systemtheorie unterscheidet statische Systeme mit linearen Kausalzusammenhängen, komplexe Systeme, homöostatische Systeme mit einer Vielfalt von Wechselbeziehungen, in denen Wirkungen binnen kurzer Zeit zu Ursachen werden, und selbstorganisierende, lebende Systeme. Die beiden letzteren sind mathematisch nur mehr so annäherbar, indem man sie in Teilsysteme zerlegt, diese  als <black box> annimmt, und die Beziehungen dieser Teilsysteme zueinander im Gesamtsystem (Festlegung der Interfaces und Regeln des Gesamtsystems) zu erfassen und zu modellieren versucht.  Nimmt man diese Begrenzung (Überforderung) demütig zur Kenntnis und nimmt nicht Zuflucht zur wirklichkeitsfremden, reduktionistischen  ceteris-paribus-Methode, bei der man nur eine Variable sich ändern lässt und die anderen fix hält, dann verbleibt nur die Szenariotechnik als bestmöglich Annäherung an die wahrscheinliche Entwicklung.  
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==Der Rückblick aus der Zukunft==
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==Rückblick aus der Zukunft==
Mein Freund, der Niederländer Leo A. Jansen, einer der Mitbegründer des Faktor 10 Clubs , hat die Technik des „Backcasting“, des Rückblickes aus der Zukunft, in die Politikplanung eingeführt.  Diese Technik versucht Szenarien für erwartbare Zukünfte zu identifizieren, die sich aus den gegenwärtigen Verhaltensmustern ableiten lassen. Auf Basis dieser Projektionen werden dann notwendige Korrekturen für das gegenwärtige Verhalten abgeleitet. In anderen Worten: Unliebsame Ergebnisse in der Zukunft führen zur Korrekturaufforderungen in der Gegenwart.
Mein Freund, der Niederländer Leo A. Jansen, einer der Mitbegründer des Faktor 10 Clubs , hat die Technik des „Backcasting“, des Rückblickes aus der Zukunft, in die Politikplanung eingeführt.  Diese Technik versucht Szenarien für erwartbare Zukünfte zu identifizieren, die sich aus den gegenwärtigen Verhaltensmustern ableiten lassen. Auf Basis dieser Projektionen werden dann notwendige Korrekturen für das gegenwärtige Verhalten abgeleitet. In anderen Worten: Unliebsame Ergebnisse in der Zukunft führen zur Korrekturaufforderungen in der Gegenwart.
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=Der Befund - Was wir feststellen können==
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==Der Befund - Was wir feststellen können==
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a) Voraussehbare Knappheiten: Nimmt man die Statistiken und Projektionen der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zur Kenntnis und erhärtet sie noch durch die Analysen des International Food Policy Research Institute, des Earth Policy Institute und des Worldwatch Institute ,  
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a) Voraussehbare Knappheiten: Nimmt man die Statistiken und Projektionen der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zur Kenntnis und erhärtet sie noch durch die Analysen des International Food Policy Research Institute, des Earth Policy Institute und des  
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Worldwatch Institute,  
dann geht, wie schon eingangs erwähnt, die sich in geometrischer Reihe vermehrende Menschheit einer absoluten, nicht mehr verteilungsbedingten Nahrungsknappheit entgegen. Hierzu kommt noch das zunehmende Risiko von Missernten wegen der Klimaturbulenzen und die Gefahr gestörter Zufuhren. Letzteres Risiko wird systematisch ausgeblendet (Wegschauen), obwohl die Zeichen der Zeit auf Sturm stehen. Das Risiko eines sich zum Weltkrieg aufschaukelnden Konfliktes ist nämlich größer als zur Zeit des ‚kalten Krieges’, in dem die Akteure berechenbar waren und noch ein „rotes Telefon“ existierte.  Man spricht von „Asymmetrischer Kriegsführung“, bei der die Gegner den traditionellen Verhaltensmustern nicht mehr entsprechen (Beispiel: An strategischen Zielen eingesetzte Selbstmordattentäter).  Zu jeder ‚modernen’ Aggression gehören vor allem neben den rein militärischen Aktionen den Gegner ausschaltende Erstschläge mit dem Ziel der gleichzeitigen Störung oder Zerstörung der Informations-, Energieversorgungs- und Verkehrssysteme.  
dann geht, wie schon eingangs erwähnt, die sich in geometrischer Reihe vermehrende Menschheit einer absoluten, nicht mehr verteilungsbedingten Nahrungsknappheit entgegen. Hierzu kommt noch das zunehmende Risiko von Missernten wegen der Klimaturbulenzen und die Gefahr gestörter Zufuhren. Letzteres Risiko wird systematisch ausgeblendet (Wegschauen), obwohl die Zeichen der Zeit auf Sturm stehen. Das Risiko eines sich zum Weltkrieg aufschaukelnden Konfliktes ist nämlich größer als zur Zeit des ‚kalten Krieges’, in dem die Akteure berechenbar waren und noch ein „rotes Telefon“ existierte.  Man spricht von „Asymmetrischer Kriegsführung“, bei der die Gegner den traditionellen Verhaltensmustern nicht mehr entsprechen (Beispiel: An strategischen Zielen eingesetzte Selbstmordattentäter).  Zu jeder ‚modernen’ Aggression gehören vor allem neben den rein militärischen Aktionen den Gegner ausschaltende Erstschläge mit dem Ziel der gleichzeitigen Störung oder Zerstörung der Informations-, Energieversorgungs- und Verkehrssysteme.  
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Im Angesicht dieser Gesamtsituation die heimische Versorgung risikoreich zu organisieren und die Bauern scharenweise zu opfern, ist demnach wirklich „zukunftskriminell“.
Im Angesicht dieser Gesamtsituation die heimische Versorgung risikoreich zu organisieren und die Bauern scharenweise zu opfern, ist demnach wirklich „zukunftskriminell“.
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Was sich derzeit in der WTO und EU abspielt ist schlicht ein Bauernopfer (Abtausch) für verständliche - aber dies nicht rechtfertigende - kurzfristige Industrie- und Handelsinteressen. Wie weit dieses Denken geht, mögen zwei Zitate aufzeigen: Der oberste Budgetbeamte Österreichs schrieb vor einigen Jahren in ‚Arbeit und Wirtschaft’, dass die Land- und Forstwirtschaft offenbar ein typischer Schrumpfungsbereich sei und dass man daher von diesem das Geld abziehen müsse, um es in Hoffnungssektoren zu investieren. Noch weiter ging der ehemalige Vizedirektor für Landwirtschaft der OECD (ein Österreicher!). In einer „offen-ehrlichen Diskussion“ im Raiffeisenhaus zu Wien mit Agrarvertretern im Jahre 1998 erklärte er diesen „nüchtern“, dass das gegenwärtige Weltmarktsystem das bestmögliche sei.  Wenn dieses erfordere, dass sich 250.000 österreichische Bauern (so viele waren es damals noch insgesamt) einen anderen Job suchen müssen, dann sei dies aus der Sicht des zunehmenden Weltwohlstandes ein zumutbares Opfer. Außerdem seien 250.000 Familien im Weltmaßstab eine vernachlässigbare Größe (quantité negligeable). Die Vertreter kurzfristiger Exportinteressen im Rahmen einer nicht nachhaltig organisierten Weltwirtschaft sind somit bereit, eine ganze Landeskultur und die Ernährungssicherheit der kommenden Generationen zu opfern. Aber der Aufstand der betroffenen Gesamtgesellschaften und die Vorschläge für eine institutionelle Neuordnung fehlen. Vielmehr hutschen sich die Wirtschaftsjournalisten und Hauptstromökonomen auf den „Bauernsubventionen“ (siehe nachfolgenden Abschnitt). Im gegenständlichen Fall brachten die im ersten Anlauf unmittelbar betroffenen Bauern(vertreter) nur ein geschocktes Stottern und Bitten um milderndes Überdenken hervor. Ich war in dieser Diskussion der einzige, der dem Vortragenden „Zukunftsblindheit oder Zukunftskriminalität“ vorwarf und zur massiven Selbstverteidigung aufrief.  
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Was sich derzeit in der WTO und EU abspielt ist schlicht ein Bauernopfer (Abtausch) für verständliche - aber dies nicht rechtfertigende - kurzfristige Industrie- und Handelsinteressen. Wie weit dieses Denken geht, mögen zwei Zitate aufzeigen: Der oberste Budgetbeamte Österreichs schrieb vor einigen Jahren in ‚Arbeit und Wirtschaft’, dass die Land- und Forstwirtschaft offenbar ein typischer Schrumpfungsbereich sei und dass man daher von diesem das Geld abziehen müsse, um es in Hoffnungssektoren zu investieren. Noch weiter ging der ehemalige Vizedirektor für Landwirtschaft der OECD (ein Österreicher!). In einer „offen-ehrlichen Diskussion“ im Raiffeisenhaus zu Wien mit Agrarvertretern im Jahre 1998 erklärte er diesen „nüchtern“, dass das gegenwärtige Weltmarktsystem das bestmögliche sei.  Wenn dieses erfordere, dass sich 250.000 österreichische Bauern (so viele waren es damals noch insgesamt) einen anderen Job suchen müssen, dann sei dies aus der Sicht des zunehmenden Weltwohlstandes ein zumutbares Opfer. Außerdem seien 250.000 Familien im Weltmaßstab eine vernachlässigbare Größe (quantité negligeable). Die Vertreter kurzfristiger Exportinteressen im Rahmen einer nicht nachhaltig organisierten Weltwirtschaft sind somit bereit, eine ganze Landeskultur und die Ernährungssicherheit der kommenden Generationen zu opfern.  
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Aber der Aufstand der betroffenen Gesamtgesellschaften und die Vorschläge für eine institutionelle Neuordnung fehlen. Vielmehr hutschen sich die Wirtschaftsjournalisten und Hauptstromökonomen auf den „Bauernsubventionen“ (siehe nachfolgenden Abschnitt). Im gegenständlichen Fall brachten die im ersten Anlauf unmittelbar betroffenen Bauern(vertreter) nur ein geschocktes Stottern und Bitten um milderndes Überdenken hervor. Ich war in dieser Diskussion der einzige, der dem Vortragenden „Zukunftsblindheit oder Zukunftskriminalität“ vorwarf und zur massiven Selbstverteidigung aufrief.  
Auch der gegenwärtige „Handelsminister“ (BMWA) meinte in einem Gespräch, dass die Landwirtschaft den anderen Wirtschaftsinteressen nicht entgegen stehen solle.
Auch der gegenwärtige „Handelsminister“ (BMWA) meinte in einem Gespräch, dass die Landwirtschaft den anderen Wirtschaftsinteressen nicht entgegen stehen solle.
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Auch hier ist der Befund klar: Wenn man so weiter macht, und kein ceterum censeo einbringt, wird der Landwirtschaft systematisch der Boden entzogen.
Auch hier ist der Befund klar: Wenn man so weiter macht, und kein ceterum censeo einbringt, wird der Landwirtschaft systematisch der Boden entzogen.
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c) Keine Erforschung der Umwegrentabilitäten einer Wohlbefinden spendenden Kulturlandschaft als künftig knappes Gut
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==c) Keine Erforschung der Umwegrentabilitäten einer Wohlbefinden spendenden Kulturlandschaft als künftig knappes Gut==
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Man redet und schreibt zwar immer über den wertvollen Beitrag der Bauern zur Gestaltung und Erhaltung der Kulturlandschaft und über die Multifunktionalität. Wenn es aber darum geht, diese Behauptungen wissenschaftlich zu untermauern, dann werden andere Prioritäten gesetzt. Dies hat der Autor mehrmals erlebt, als er zusammen mit Humanbiologen, Umweltmedizinern und Ökonomen die phylogenetisch (stammesgeschichtlich) verankerten Ansprüche des Menschen an eine Wohlbefinden spendende Kulturlandschaft erheben und ihre hohe Umwegrentabilität unter Beweis stellen wollte. Schließlich schrieb er unter Verweigerung von Schreibhilfe und grafischem Dienst einen diesbezüglichen ‚Abschiedsartikel’ im Sammelband „Landscape Tomorrow“  und überließ das Feld der  vorherrschenden Scheuklappenpolitik. Im Gegensatz zu Österreich versucht Kollege Prof. Alois Heißenhuber an der TU München–Weihenstephan, sich dem Thema mit Landschaftssimulationen und deren Akzeptanz konkret zu nähern.
Man redet und schreibt zwar immer über den wertvollen Beitrag der Bauern zur Gestaltung und Erhaltung der Kulturlandschaft und über die Multifunktionalität. Wenn es aber darum geht, diese Behauptungen wissenschaftlich zu untermauern, dann werden andere Prioritäten gesetzt. Dies hat der Autor mehrmals erlebt, als er zusammen mit Humanbiologen, Umweltmedizinern und Ökonomen die phylogenetisch (stammesgeschichtlich) verankerten Ansprüche des Menschen an eine Wohlbefinden spendende Kulturlandschaft erheben und ihre hohe Umwegrentabilität unter Beweis stellen wollte. Schließlich schrieb er unter Verweigerung von Schreibhilfe und grafischem Dienst einen diesbezüglichen ‚Abschiedsartikel’ im Sammelband „Landscape Tomorrow“  und überließ das Feld der  vorherrschenden Scheuklappenpolitik. Im Gegensatz zu Österreich versucht Kollege Prof. Alois Heißenhuber an der TU München–Weihenstephan, sich dem Thema mit Landschaftssimulationen und deren Akzeptanz konkret zu nähern.
Befund: Wenn man weiß, dass Wohlbefinden spendende Landschaften in Zukunft ein knappes Gut werden und man von der Gesellschaft erwartet, dass Grüne Dienste honoriert werden, dann müssen diese schlagend begründet werden. D.h. ihr Beitrag zum physischen und psychischen Wohlbefinden (dies ist die Gesundheitsdefinition der WHO) und ihre hohe Umwegrentabilität (nicht nur im Fremdenverkehr) sind unter Beweis zu stellen.
Befund: Wenn man weiß, dass Wohlbefinden spendende Landschaften in Zukunft ein knappes Gut werden und man von der Gesellschaft erwartet, dass Grüne Dienste honoriert werden, dann müssen diese schlagend begründet werden. D.h. ihr Beitrag zum physischen und psychischen Wohlbefinden (dies ist die Gesundheitsdefinition der WHO) und ihre hohe Umwegrentabilität (nicht nur im Fremdenverkehr) sind unter Beweis zu stellen.
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==a) Den Aufstand gegen den Hauptstrom wagen==  
==a) Den Aufstand gegen den Hauptstrom wagen==  
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und ein '''zukunftsfähiges Leitbild''' einfordern  
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Wenn man die zu erwartenden Knappheiten und die erhöhten Risiken nicht ausblendet, dann muss dem gegenwärtigen Hauptstrom ein international organisierter Widerstand entgegen gesetzt werden. Dieser muss aber von einem sozial, ökologisch und ökonomisch ausgewogenen Gesamtkonzept getragen werden.
Wenn man die zu erwartenden Knappheiten und die erhöhten Risiken nicht ausblendet, dann muss dem gegenwärtigen Hauptstrom ein international organisierter Widerstand entgegen gesetzt werden. Dieser muss aber von einem sozial, ökologisch und ökonomisch ausgewogenen Gesamtkonzept getragen werden.
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In einem solchen „Aufstand“ wären z. B. die Bürger der USA zu überzeugen, dass es für sie besser ist, wenn in nachwachsende Rohstoffe und Primärenergieträger (NAWAROS) investiert wird, statt dass sie in den kostspieligen Ölkriegen einer ausbeutenden Minorität buchstäblich verheizt werden. Gerade jetzt - in der Zeit der bitteren Erfahrung auf den Ölschlachtfeldern - könnte auf den Bericht <Global 2000>  an  Präsident Carter zurückgegriffen werden, in dem die heimischen, nicht fossilen Potentiale mit dem 250-fachen (!) der verschwenderischen Energieverbauchsleistung in den USA  identifiziert wurden. Das Rezept <Bomben und Bohren> funktioniert bei einer asymmetrischen militärischen Auseinandersetzung nicht mehr. Vielmehr könnten die USA bei einer Umpolung ihrer Politik zum gesuchten und geschätzten Partner und fairen Lizenzgeber der Welt werden, sowie ihre politische Glaubwürdigkeit wieder erlangen.  
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In einem solchen „Aufstand“ wären z. B. die Bürger der USA zu überzeugen, dass es für sie besser ist, wenn in nachwachsende Rohstoffe und Primärenergieträger (NAWAROS) investiert wird, statt dass sie in den kostspieligen Ölkriegen einer ausbeutenden Minorität buchstäblich verheizt werden. Gerade jetzt - in der Zeit der bitteren Erfahrung auf den Ölschlachtfeldern - könnte auf den Bericht <Global 2000>  an  Präsident Carter zurückgegriffen werden, in dem die heimischen, nicht fossilen Potentiale mit dem 250-fachen (!) der verschwenderischen Energieverbauchsleistung in den USA  identifiziert wurden.  
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Das Rezept <Bomben und Bohren> funktioniert bei einer asymmetrischen militärischen Auseinandersetzung nicht mehr. Vielmehr könnten die USA bei einer Umpolung ihrer Politik zum gesuchten und geschätzten Partner und fairen Lizenzgeber der Welt werden, sowie ihre politische Glaubwürdigkeit wieder erlangen.  
Wenn aber die USA auf NAWAROS im Energie-, Chemie- und Strukturmaterialienbereich setzten, dann bräuchten Sie nicht den Kopf der Bauern in anderen Ländern - insbesondere im (noch) kaufkräftigen Europa - fordern, um ihre fossil hochgepeitschten Agrarüberschüsse absetzen zu können. Dasselbe gilt mutatis mutandis für jene Agrarexporteure, die in der Cairns-Gruppe vertreten sind.
Wenn aber die USA auf NAWAROS im Energie-, Chemie- und Strukturmaterialienbereich setzten, dann bräuchten Sie nicht den Kopf der Bauern in anderen Ländern - insbesondere im (noch) kaufkräftigen Europa - fordern, um ihre fossil hochgepeitschten Agrarüberschüsse absetzen zu können. Dasselbe gilt mutatis mutandis für jene Agrarexporteure, die in der Cairns-Gruppe vertreten sind.

Aktuelle Version vom 5. April 2013, 11:00 Uhr

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